Es war an einem Sommermorgen im Jahr 2007 als ich, damals Asylbewerber in Rüti/ZH, die Strassen von Rüti putzte und eine Frau vorbeikam. Sie hatte eine Nähmaschine der Marke Bernina, welche sie entsorgen wollte. Als sie mich sah, fragte sie mich, ob ich die Maschine haben wolle. Ich habe ja gesagt, und sie hat mir die Maschine gegeben. Ich nahm sie und bin nach Hause gegangen. Mit dieser Maschine habe ich als erstes eine Hose genäht.

Einer meiner Freunde, ein Trommelspieler bei einem Ballet, das „Café au lait“ heisst, hatte die Gewohnheit, jedes Mal, wenn wir zusammen waren, mich seinen Bekannten als Schneider vorzustellen. Eines Tages trafen wir die Verantwortliche der Gruppe „Café au lait“, die mich fragte, ob es mir möglich sei, gegen Bezahlung Uniformen für ihre Gruppe zu nähen.

Da der Zeitraum für die Lieferung sehr kurz war, war ich einen ganzen Abend bis 23 Uhr damit beschäftigt, sie zu nähen. Deutsche, welche im selben Stock wohnten, beklagten sich am darauffolgenden Morgen bei meiner Betreuerin Rita Küng wegen nächtlicher Ruhestörung. Sie bat mich, in Zukunft die Arbeit um 22 Uhr zu beenden, was ich in der Folge auch respektierte. Zwei Wochen später bat ich sie, ob ich nicht den leeren Saal gegenüber ihrem Büro für meine Arbeit benutzen dürfe. Sie hat mir dies erlaubt, indem sie sagte: „ weil Du ein guter Arbeiter bist, gewähre ich Dir diese Bitte“. Dieser Satz meiner Betreuerin war für mich eine Anerkennung der Reinigungsarbeiten beim Bahnhof und bei den öffentlichen Toiletten und der Strassen von Rüti, welche ich von Zeit zu Zeit ausführte. So konnte ich nun beginnen, meine Schneiderei aktiver und freier zu betreiben. Meine ersten Kunden waren die anderen Asylbewerber, welche mir entweder ihre zerschlissenen Kleider brachten, um sie zu flicken, oder die wünschten, dass ich ihnen Kleider nähe.

Die Vielfalt der Kundenwünsche führte dazu, dass meine alte Maschine den Anforderungen nicht mehr entsprechen konnte. Deshalb begann ich regelmässig ins Dynamo nach Zürich zu gehen, wo Nähmaschinen vor Ort gemietet werden können. So konnte ich die Wünsche meiner Kunden erfüllen.

Zwei Monate später begann ich für die Asyl Organisation Zürich (AOZ) zu arbeiten. Wir nähten dort Kleider, Vorhänge und Taschen. Nebenbei brachte ich meinen Kollegen das Schneiderhandwerk bei. Im Frühling 2008 habe ich mit meinen Ersparnissen Stoff und genähte Kleider aus Afrika bestellt. Im Mai 2008 habe ich einen Stand an Afro-Pfingsten in Winterthur gemietet, um dort afrikanische Kleider und Stoffe zu verkaufen. Dieser Versuch wurde ein Erfolg. Die Geschäfte liefen hervorragend. Einige Passanten gaben sogar Bestellungen auf. Im selben Jahr habe ich auch am Uhuru-Festival in Solothurn teilgenommen. Auch dort liefen die Geschäfte gut, und ich machte wichtige Bekanntschaften.

Auf jeden Fall bleibt zu sagen, dass die Idee, ein Schneideratelier zu eröffnen, mir noch nicht in den Sinn gekommen war. Es gab aber Kunden, die mir zu diesem Schritt rieten. Die Idee war sicher gut, die Umsetzung jedoch erschien mir schwierig, da der Preis der Nähmaschinen im Vergleich zu meinem damaligen Einkommen sehr hoch war.

Eines Tages  ging ich nach Oerlikon, um Nähmaterial zu kaufen. Im Geschäft arbeitete eine Thailänderin, welche mir anbot, mir ihre Nähmaschinen zu verkaufen, nachdem sie erfahren hatte, dass ich Schneider sei. Ich begab mich später in ihr Atelier, um mir die Maschinen, welche sie verkaufen wollte, anzuschauen. Es waren sehr gute Industriemaschinen, wovon ich drei Stück zu einem guten Preis erstehen konnte. Die thailändische Dame fragte mich im selben Moment auch, ob ich Interesse hätte, ihr Atelier zur Miete zu übernehmen. Ich war interessiert, und sie brachte mich in Kontakt mit der Immobiliengesellschaft, welche den Raum vermietete. Es wurde ein Termin mit dem Makler vereinbartder grundsätzlich sein Einverständnis gegeben hatte, mir den Raum zu vermieten. Aber beim Treffen – noch vor der Besichtigung – entschied er sich dagegen.  Ich blieb weiterhin zuversichtlich da ich wusste, dass man im Leben nicht immer gewinnen kann.

In der nachfolgenden Zeit habe ich die Suche nach einem Raum weitergeführt und wurde drei Wochen später fündig. Ich konnte das Atelier an der Rautistrasse 12 im zweiten Stock mieten, welches heute noch mein Schneideratelier ist. Seit diesen Tagen ist mir bewusst geworden, dass ich kämpfen muss, um zu überleben. Ich begann die Schweizer Städte abzuklappern, um an Festivals und Märkten teilzunehmen.

Inzwischen nähe ich nicht nur afrikanische, sondern auch europäische Modelle aus afrikanischen Stoffen für jede Grösse und jedes Alter.

Liebe Kundinnen, liebe Kunden „SCHNEIDERATELIER KREATION KONATE“ erwartet Sie, um ihren Wünschen Form zu verleihen, und ihre Traumkleider Realität werden zu lassen.